Redewendung aus früheren Zeiten


01/21 Die Flinte ins Korn werfen

Wie so viele andere Redewendungen war auch die Flinte ins Korn werfen dereinst wörtlich zu verstehen. 

In den an Kriegen reichen Jahrhunderten siebzehn und achtzehn bestanden die Heere weitgehend aus Söldnern. Viele ließen sich von geschickten Werbern blenden, von der Aussicht auf fette Beute. Andere waren zum Kriegsdienst gezwungen worden, ob nun von der Not oder von denjenigen, die Soldaten brauchten.

Die Kampfmoral solcher Truppen war bisweilen fragwürdig. Solche Kämpfer wollten Sold kassieren, Beute machen, vielleicht auch das ungebundene, ausschweifende Soldatenleben genießen. Ihr Leben verlieren wollten sie nicht, sehr wahrscheinlich noch weniger als jemand, der Haus und Hof verteidigte oder für eine als gerecht empfundene Sache kämpfte.

Verlief eine Schlacht ungünstig und eine Niederlage zeichnete sich ab, ergfiffen die Söldner lieber die Flucht, statt verbissen bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Dabei warfen sie ihre Flinten, die bei einer Flucht nur hinderlich waren, tatsächlich in die allgegenwärtigen Kornfelder.

Aufschluss über die Entstehungszeit der Redewendung gibt u.a. der Begriff Flinte. Flinte kommt von Flintstein (Feuerstein) und meint einen besonderen Auslösemechanismus für Gewehre, der sich erst im 17. Jahrhundert durchsetzte. Der Flintstein schlug auf ein Metallstück auf. Die dabei entstehenden Funken entzündeten das Pulver. Das Auslösen durch Funkenflug war wirksamer und einfacher im Gebrauch als die bis dato üblichen Lunten


12/20 Im Stich lassen

In einer Schlacht war der Ritter nicht allein. Er wurde begleitet von Kriegsknechten und vor allem von seinem Knappen, der ihn zu unterstützen und in jeder Beziehung für ihn zu sorgen hatte. Er hielt sich im Gefecht hinter seinem Herrn, um ihm Hilfe zu leisten, wenn dieser verwundet wurde, und hielt ein Ersatzpferd und eine zweite Lanze in Bereitschaft, wenn seinem Herrn die Erstausstattung abhanden kam. Wenn dieser Helfer, auf den sich die Ritter unbedingt verlassen können musste, unfähig war oder gar feige seinen Herrn im Kampf verlies, überliess er diesen dem mit der Lanze zustechenden Gegner,

er liess ihn im Stich.

Kein Wunder, dass diese "Stich"-Wort auch in vielen weiteren Redewendungen eine Rolle spielt. Wenn Argumente stichhaltig sind, halten sie der Diskussion stand, ähnlich wie ein Harnisch dem Stich einer Waffe. Das Verb jemanden ausstechen hat seinen Ursprung ebenfalls im Zweikampf, in dem einer den anderen aus dem Sattel stach, also besiegte. Und bei gleichwertigen Gegnern muss die letzte Entscheidung auch heute noch in einem Stechen gefunden werden.


11/20 etwas im Schilde führen

Wappen waren so was, wie Nummernschilder des Mittelalters. Genau wie heute die Insassen in den Blechrössern, konnte man früher die Ritter nicht erkennen in Ihren Rüstungen. Die Kampfspiele im 12. Jahrhundert waren deshalb für die Zuschauer unübersichtlich, denn sie konnten die Ritter nicht erkennen.Also markierte man die Käufer durch farbige Symbole auf den Schutzschildern und Helmen. Wenn ein gewappneter Ritter auf eine Burg Zutritt, führte er meist nichts Gutes im Schilde, sonst wäre er mit offenem Visier gekommen. Deshalb hat diese Redensart einen negativen Sinn, sprich heisst sinnbildlich, "schlechte Absichten haben".

Eine andere Deutung weist auch auf eine Waffe hin, die jemand leicht hinter dem Schild verbergen konnte – also etwas im Schilde führte.


10/20 Etwas aus dem Hut ziehen...

Die Vermutung liegt nahe, dass die Redewendung aus der Welt des Varietés oder dem Zirkus herführt. Weisse Kaninchen wurde ja nur dafür geboren, von einem Zauberer aus dem Hut gezogen zu werden.

Aber die Wurzel dieser Redensart könnte sehr viel tiefer in die Geschichte reichen. Sie soll nämlich zurückgehen auf die Gewohnheit von Bogenschützen, unter ihrem Helm (eiserner Hut) oder Kappe, Ersatzsehnen mitgeführt zu haben. Diese konnten im Falle, dass die Sehne ihres Bogens riss, aus dem Hut gezogen und gespannt werden. So konnte der Kampf ohne grosse Verzögerung weitergehen.

Weil das Ersatzteillager nicht sichtbar gewesen war, kam die Reparatur für den Feind überraschend, weshalb die Redewendung bis heute diesen Charakter hat.


09/20 Das "Victory" - Zeichen

Diese International weit verbreitete Handbewegung geht nur scheinbar auf den Anfangsbuchstaben des Wortes Victory zurück. In Wirklichkeit hatsie eine viel brutalere Geschichte.

Der Langbogen war eine gefährliche Waffe des Mittel-alters. Neben der Durchschlagskraft der Pfeile war die Schussfrequenz von sechs Pfeilen pro Minute entscheidend. Die Armbrust war in Treffgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagskraft überlegen, jedes Spannen und Laden dauerte aber eine Minute. Daher war sie zwar für Belagerungen gut geeignet für Schlachten blieb aber der Bogen die wirkungsvollere Waffe.

Die Schlacht von Anzincourt 1415 wurde durch - zahlenmässig weit unterlegene - englische "Bowmen" gegen französische Armbrustschützen gewonnen, und in der Siegesparade sollen die Bogenschützen als Hinweis auf den Grund Ihres Sieges die gespreizten "Schützenfingenr", nämlich Zeige und Mittelfinger, dem jubelnden Volk gezeigt haben. Die grausame Pointe ist, dass Bogenschützen, die in Gefangenschaft gerieten, diese beiden Finger abgeschnitten wurden, damit sie nie wieder schiessen konnten.


08/20 "Hand und Fuss haben"

Diese Redensart geht auf eine altdeutsche Rechtsformel zurück, in der allerdings nur die rechte Hand und der linke Fuss gemeint waren. Warum?

Ein Ritter, also ein wehrhafter Mann, war nach damaligem Verständnis nur kriegstüchtig, wenn er noch die rechte Hand und den linken Fuss besass. Mit der rechten Hand führte er das Schwert und der Fuss, mit dem er in den Steigbügel trat, um sein Pferd zu besteigen, war der linke.

 

Es war eine äusserst schwere, aber oft verhängte Strafe, wenn ein Missetäter dazu verurteilt wurde, eines der beiden oder gar beides abgeschlagen zu bekommen, denn es wurden ihm auf diese Weise nicht nur Hand und Fuss, sondern auch seine Mannhaftigkeit genommen.

Linkshänder taten übrigens gut daran, diese "Andersartigkeit" zu verschweigen, denn Minderheiten waren gerade im Mittelalter suspekt und konnten l3eicht auf dem Scheiterhaufen laden.


07/20 "In die Bresche springen"

Wie erobert man eine Burg?

Man macht ein Loch in die Mauer. Einfacher gesagt als getan, aber das Ergebnis einer solchen Gewaltanwendung nennt man "Bresche", wie so viele Wörter der Militärsprache aus dem Französischen (brèche = Öffnung, Spalt)

Aus der Sicht der Verteidiger ist nun höchste Gefahr angesagt, denn die unliebsamen Besucher neigen dazu, hereinzudrängen und in der Burg Feuer zu legen, und zwar überall. Die Burgbesatzung die ein Versicherungsfall ohne Versicherung vermeiden will, muss sofort handeln. Bevor man daran geht, die Öffnung wieder mit Baumaterial zu schliessen, muss jemand die unerwünschten Gäste aufhalten, bevor sie die Burg betreten und Schäden anrichten. Wenn die Öffnung zu Beginn noch relativ schmal war, ist das Mittel der Erstzen Wahl, dass ein Ritter in die Bresche springt, der den Engpass wie ein wehrhafter eisernen Korken, unpassierbar bar macht.


06/20 "Holzauge sei wachsam"

Für die Herkunft dieses Ausdrucks gibt es mehrer Theorien. Die plausibelste jedoch ist wohl die Herleitung aus dem holzverarbeitendem Handwerk. Beim Hobeln muss man aufpassen; Ansätze von Ästen, auch äugen genannt, sind härter als das umgebende Holz, die Klinge des Hobels könnte an ihnen Schaden nehmen. Aus dem Warnruf "Ein Holzauge! Sei wachsam!" kann sich mit der Zeit die heutige Redewendung entwickelt haben.


05/20 "Steinreich sein"

Nicht nur im Mittelalter, sondern weit bis ins 19. Jahrhundert war es ganz normal, dass die Häuser der einfachen Leute aus Holz gebaut waren. Fachwerkhäuser eben, wobei "Fach" ein alter Ausdruck für Wand ist, enthalten auch in "Unter Dach und Fach". Nur Reiche konnten sich Steine aus Steinbrüchen leisten, die behauen werden mussten und deshalb auch teuer waren. Reich war im Mittelalter der Adel, dem das Land gehörte. Er bevorzugte es, in Steinhäusern zu residieren, denn nur Häuser mit steinernen Wänden waren so stabil, dass Sie auch einem Überfall von Feinden, zornigen Leibeigenen oder missgünstigen Nachbarn oder Verwandten standhalten konnten. Aus diesen festen Häusern, oft auch in Turmform erbaut, entwickelten sich die Burgen. Als auch die Bürger in späten Mittelalter zu Wohlstand kamen, konnten sie sich ebenfalls prächtige Steinhäuser leisten. Sie waren STEINREICH. Burgen und Schlösser als Statussymbol blieben jedoch dem Adel vorbehalten.


04/20 "Die Tafel aufheben"

Die Räumlichkeiten in einer mittelalterlichen Burg waren eher spartanisch eingerichtet - auch der "Rittersaal". Bei Mahlzeiten nahmen der Hausherr und seine Gäste auf einfachen Bänken Platz, die Speisen standen auf großen Holzbrettern, die auf Holzböcken lagen. Diese Tafeln wurden nach dem Mahl mit allem, was darauf stand, aufgehoben und aus dem Saal getragen. So schuf man schnell wieder Platz für andere Aktivitäten im Saal.

 

Heute werden keine Tischplatten mehr rausgetragen, doch die Redewendung hat sich bis heute gehalten und signalisiert das Ende einer gemeinsamen Mahlzeit.