Redewendung aus früheren Zeiten


09/20 Das "Victory" - Zeichen

Diese International weit verbreitete Handbewegung geht nur scheinbar auf den Anfangsbuchstaben des Wortes Victory zurück. In Wirklichkeit hatsie eine viel brutalere Geschichte.

Der Langbogen war eine gefährliche Waffe des Mittel-alters. Neben der Durchschlagskraft der Pfeile war die Schussfrequenz von sechs Pfeilen pro Minute entscheidend. Die Armbrust war in Treffgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagskraft überlegen, jedes Spannen und Laden dauerte aber eine Minute. Daher war sie zwar für Belagerungen gut geeignet für Schlachten blieb aber der Bogen die wirkungsvollere Waffe.

Die Schlacht von Anzincourt 1415 wurde durch - zahlenmässig weit unterlegene - englische "Bowmen" gegen französische Armbrustschützen gewonnen, und in der Siegesparade sollen die Bogenschützen als Hinweis auf den Grund Ihres Sieges die gespreizten "Schützenfingenr", nämlich Zeige und Mittelfinger, dem jubelnden Volk gezeigt haben. Die grausame Pointe ist, dass Bogenschützen, die in Gefangenschaft gerieten, diese beiden Finger abgeschnitten wurden, damit sie nie wieder schiessen konnten.


08/20 "Hand und Fuss haben"

Diese Redensart geht auf eine altdeutsche Rechtsformel zurück, in der allerdings nur die rechte Hand und der linke Fuss gemeint waren. Warum?

Ein Ritter, also ein wehrhafter Mann, war nach damaligem Verständnis nur kriegstüchtig, wenn er noch die rechte Hand und den linken Fuss besass. Mit der rechten Hand führte er das Schwert und der Fuss, mit dem er in den Steigbügel trat, um sein Pferd zu besteigen, war der linke.

 

Es war eine äusserst schwere, aber oft verhängte Strafe, wenn ein Missetäter dazu verurteilt wurde, eines der beiden oder gar beides abgeschlagen zu bekommen, denn es wurden ihm auf diese Weise nicht nur Hand und Fuss, sondern auch seine Mannhaftigkeit genommen.

Linkshänder taten übrigens gut daran, diese "Andersartigkeit" zu verschweigen, denn Minderheiten waren gerade im Mittelalter suspekt und konnten l3eicht auf dem Scheiterhaufen laden.


07/20 "In die Bresche springen"

Wie erobert man eine Burg?

Man macht ein Loch in die Mauer. Einfacher gesagt als getan, aber das Ergebnis einer solchen Gewaltanwendung nennt man "Bresche", wie so viele Wörter der Militärsprache aus dem Französischen (brèche = Öffnung, Spalt)

Aus der Sicht der Verteidiger ist nun höchste Gefahr angesagt, denn die unliebsamen Besucher neigen dazu, hereinzudrängen und in der Burg Feuer zu legen, und zwar überall. Die Burgbesatzung die ein Versicherungsfall ohne Versicherung vermeiden will, muss sofort handeln. Bevor man daran geht, die Öffnung wieder mit Baumaterial zu schliessen, muss jemand die unerwünschten Gäste aufhalten, bevor sie die Burg betreten und Schäden anrichten. Wenn die Öffnung zu Beginn noch relativ schmal war, ist das Mittel der Erstzen Wahl, dass ein Ritter in die Bresche springt, der den Engpass wie ein wehrhafter eisernen Korken, unpassierbar bar macht.


06/20 "Holzauge sei wachsam"

Für die Herkunft dieses Ausdrucks gibt es mehrer Theorien. Die plausibelste jedoch ist wohl die Herleitung aus dem holzverarbeitendem Handwerk. Beim Hobeln muss man aufpassen; Ansätze von Ästen, auch äugen genannt, sind härter als das umgebende Holz, die Klinge des Hobels könnte an ihnen Schaden nehmen. Aus dem Warnruf "Ein Holzauge! Sei wachsam!" kann sich mit der Zeit die heutige Redewendung entwickelt haben.


05/20 "Steinreich sein"

Nicht nur im Mittelalter, sondern weit bis ins 19. Jahrhundert war es ganz normal, dass die Häuser der einfachen Leute aus Holz gebaut waren. Fachwerkhäuser eben, wobei "Fach" ein alter Ausdruck für Wand ist, enthalten auch in "Unter Dach und Fach". Nur Reiche konnten sich Steine aus Steinbrüchen leisten, die behauen werden mussten und deshalb auch teuer waren. Reich war im Mittelalter der Adel, dem das Land gehörte. Er bevorzugte es, in Steinhäusern zu residieren, denn nur Häuser mit steinernen Wänden waren so stabil, dass Sie auch einem Überfall von Feinden, zornigen Leibeigenen oder missgünstigen Nachbarn oder Verwandten standhalten konnten. Aus diesen festen Häusern, oft auch in Turmform erbaut, entwickelten sich die Burgen. Als auch die Bürger in späten Mittelalter zu Wohlstand kamen, konnten sie sich ebenfalls prächtige Steinhäuser leisten. Sie waren STEINREICH. Burgen und Schlösser als Statussymbol blieben jedoch dem Adel vorbehalten.


04/20 "Die Tafel aufheben"

Die Räumlichkeiten in einer mittelalterlichen Burg waren eher spartanisch eingerichtet - auch der "Rittersaal". Bei Mahlzeiten nahmen der Hausherr und seine Gäste auf einfachen Bänken Platz, die Speisen standen auf großen Holzbrettern, die auf Holzböcken lagen. Diese Tafeln wurden nach dem Mahl mit allem, was darauf stand, aufgehoben und aus dem Saal getragen. So schuf man schnell wieder Platz für andere Aktivitäten im Saal.

 

Heute werden keine Tischplatten mehr rausgetragen, doch die Redewendung hat sich bis heute gehalten und signalisiert das Ende einer gemeinsamen Mahlzeit.