Redewendung aus früheren Zeiten


06/22 Die Eselsbrücke

Der Volksmund mag sie als störrisch und dumm bezeichnen, aber Esel sind ausgesprochen intelligente Tiere. Nicht ohne Grund setzt der Mensch sie seit Tausenden von Jahren als Lastenträger ein. Ihre vermeintliche Sturheit ist oft einfach Vorsicht:

Sie wägen gefahrvolle Situationen ab - und bleiben zum Beispiel selbst vor kleinsten Bächen einfach stehen, da sie aufgrund der spiegelnden Wasseroberfläche nicht erkennen, wie tief ein Gewässer ist.

Bauern mussten ihnen daher oft improvisierte Brücken bauen, um Wasserläufe zu queren. Die Brücke war also ein Hilfsmittel, ein Lösungsweg, um ans Ziel zu kommen. Daraus hat sich mit der Zeit der Ausdruck "Eselsbrücke" für Gedächtnishilfen in Form von Sprüchen und Reimen abgeleitet.


05/22 Auf keinen grünen Zweig kommen

Symbolische Handlungen waren im Mittelalter sehr wichtig, die einen rechtlichen Vorgang gültig machten.

Diese Handlungen standen meist in einem metaphorischen Zusammenhang mit dem betreffenden Akt. So wurde beim Landverkauf die Übergabe des Grundstücks durch die Überreichung eines grünen Zweiges, der in eine Erdscholle vom verkauften Boden gesteckt war, vom Vorbesitzer zu Erwerber begleitet. Wer also auf keinen grünen Zweig kam, hatten keinen Grund und Boden, war kein freier Bauer, sondern ein landloser Tagelöhner.


04/22 Die Kurve kratzen

Die Kutschen schrammten in den sehr engen Gassen mittelalterlicher Städte beim Abbiegen oft an den Hausecken vorbei.

Die Bewohner ersannen unter-schiedliche Methoden dagegen und stellen sogenannte Kratzsteine auf, die einen Schritt weit von der Hausecke entfernt in den Gehweg gerammt wurden.


03/22 Hinz und Kunz

Die Vornamen für Kinder folgen immer gewissen Trends, derzeit führen Mia und Noah die Hitliste an. Früher waren oft die Namen von Herrschern angesagt:

So nannten um 1900 viele ihre Kinder Wilhelm oder Wilhelmine, angelehnt an den deutschen Kaiser. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert dagegen herrschten acht Heinriche und vier Konrade über das Heilige Römische Reich - und stachen andere Namen aus. Die Kurzformen von "Heinrich" und "Konrad" lauteten "Hinz" und "Kunz".

Konsequenz: Beide Namen tauchten geradezu inflationär auf. Ueberall liefen Hinz und Kunz herum. Daraus entstand noch im späten Mittelalter die Spottbezeichnung für "Jedermann".


02/22 Einen Zahn zulegen

Im Mittelalter kochte man noch in großen Töpfen über offenem Feuer. Von der Decke hingen Hakenleisten  mit vielen Zacken in der Art eines Sägekamms, sogenannte “Kräuel” oder auch Hale, an die man die Töpfe einhängte. Als einzige Möglichkeit der Temperaturregelung konnte man die Höhe der Zähne bestimmen – hängte man den Topf tiefer und somit näher an das Feuer, legte man also einen Zahn zu, kochte das Essen schneller. Einen “Zahn zulegen” oder auch einen “Zacken zulegen” wird noch heute benutzt, wenn etwas schneller gehen soll.


01/22 Das geht auf keine Kuhhaut

Bevor man auf sich etwas auf Papier notierte, schrieb man auf Pergament. Pergament wurde seit dem Altertum aus Tierhäuten gefertigt. Dazu wurden diese gewässert, mit Kalklösung behandelt, von Haaren befreit und gereinigt, gespannt, getrocknet und anschließend zugeschnitten. Die Menschen im Mittelalter waren sehr abergläubisch und dachten, dass der Teufel eine Liste mit den Sünden eines jeden Menschen besitzt und diese auf ein Pergament notiert. Üblicherweise wurde Pergament eher aus den Häuten von Schafen oder Ziegen hergestellt, also diene hier die Kuhhaut als besonders groß vorzustellendes Beschreibmaterial. Kamen im Lauf eines Lebens so viele Verfehlungen und Missetaten zusammen, dass sie nicht einmal mehr auf eine Kuhhaut passten, handelte es sich wohl um einen außerordentlich sündigen Menschen.


12/21 Auf dem Holzweg sein

Im Mittelalter benötige man zum Hausbau Holzbalken. Die Bäume wurden von Holzfällern im Wald geschlagen und der Stamm mit dem Pferd weggeschafft. Dabei entstand auf dem Waldboden natürlich eine kräftige Schleifspur, die manchmal wie ein richtiger Weg aussah. Folgte man einem solchen Weg, landete man aber meist in einer Sackgasse oder beim Baumstumpf.


11/21 Etwas "besitzen"

Viele Informationen über das Mittelalter haben wir aus Urkunden, in denen Hinweise auf Geschlechter, Burgen und ganze Städte erstmals auftauchen. Aber nicht bei allen Besitzerwechseln von Grundstücken wurden Urkunden ausgefertigt. Stattdessen waren auch symbolische Handlungen üblich, die einen rechtlichen Vorgang gültig machten. Einiger solcher Handlungen kommen uns heute merkwürdig vor; zum Beispiel musste bei einem Eigentümerwechsel der neue Herr sein Grundstück drei Tage hintereinander regelrecht "besetzen", um sich als rechtmässiger Eigentümer zu beweisen. Das heisst, er musste auf einem Land wortwörtlich sitzen, und zwar auf einem dreibeinigen Stuhl, und dort Gäste bewirten. Erst dadurch brachte er es in Besitz, wurde deine Rechtsstellung deutlich gemacht.

Und warum ausgerechnet auf einem Stuhl mit drei Beinen? Aus praktischen Gründen: Auf unebenem Untergrund wackelt ein normaler vierbeiniger Stuhl, weil fast immer ein Bein keine Bodenberührung hat. Ein dreibeiniger Stuhl dagegen steht immer stabil.


10/21 Etwas auf dem Kerbholz haben

Zu Zeiten, als noch viele Menschen nicht lesen und schreiben konnten und es deshalb noch keine Verträge und Quittungen gab, war das Kerbholz das wichtigste Hilfsmittel für das Aufzeichnen von Lieferungen und Arbeitsleistungen. Das Kerbholz war eigentlich gar kein einzelnes Holz. Entweder bestand es aus zwei aufeinander passenden Hölzer, also zwei Holzlatten, von denen sich eine im Besitz des Schuldners und das Gegenstück in der Obhut des Gläubiger befanden. Erholt zum Beispiel ein Käufer einen Kredit, so wurden auf den nebeneinander gelegten Hölzern durchgehende Kerben eingeschnitten, geritzt oder gebrannt. Oder das Kerbholz wurde erst nach dem Einkerben gespalten und jeder Partner erholt einen der beiden Teile. Nach Bezahlung der Schuld wurde auf beiden Hölzern mit einem Messerschmitt "abgekürzt".

So war das Holz mit den Kerben unter anderem geeignet, Schulden und Korrespondierend Aussenstände festzuhalten, wobei es natürlich für je zwei Geschäftspartner ein eigenes Kerbholz gab. Da meist Schulden auf dem Kerbholz gestanden haben werden, hat das zum negativen Unterton dieser Redensart geführt.


09/21 In die Schuhe schieben

In den Herbergen der wandernden Handwerksgesellen ging es recht rustikal zu, und die Gesellenlehre war nicht immer so ausgeprägt, als dass nicht doch schon mal fremdes Eigentum, vor allem Taler und andere Münzen, auf unehrliche Weise den Besitzer gewechselt hätte. So ein Diebstahlverdacht konnte dazu führen, dass es manchmal noch im Schlafsaal zu einer Untersuchung durch die Obrigkeit kam, inklusive Leibesvisitation. Dann musste das "corpus delicti", meist ein Geldstück, schnellstens verschwinden, und da bot sich der Schuh des Bettnachbarn an. Das war sicher nicht die feine Handwerkskunst, was ja dann auch zu dem negativen Unterton dieser Redensart geführt hat.


08/21 Alle Brücken hinter sich abbrechen

Auf einigen Burgen hört man, dass man den Bergfried, den Hauptturm der Burg, nur über eine Brücke habe erreichen können, die man hinter sich abgebrochen habe. In der Tat findet man bei fast allen dieser Wochen Türme den Eingang in unerreichbar scheinender Höhe. Viele dieser Bergfriede hatten tatsächlich die Funktion einer letzten Zufluchtsmöglichkeit im Falle einer Eroberung der Burg. Dann war es nützlich, wenn die Eingangstür zum Turm nicht dem direkten Zugriff des Aggressors ausgesetzt war. Man baute sie deshalb hoch oben ein, und die Burgbesetzung erreichte die Tür nicht über eine Brücke, sondern nur über Leitern, die man anschliessend zu sich herein ziehen konnte. Das Sprichwort von den hinter sich abgebrochenen Brücken stammt nicht aus Burgzeiten, sondern ist viel älter. Schon in römischen Quellen liest man den Satz "Pont a ergo abruptes est - die Brücke ist hinter dem Rücken abgebrochen worden". Offenbar wollte ein Kommandeur seine Soldaten dadurch motivieren, dass es keinen Weg zurück gab, sondern nur den siegreichen Vormarsch - oder den Untergang.


07/21 Es zu bunt treiben

Dem mittelalterlichen Menschen war es untersagt, etwas anderes als graue, braune oder blaue Kleidung zu tragen. Dazu muss man wissen, dass das mittelhochdeutsche Wort "bunt" abgeleitet wird von dem in der Klosterkultur gebräuchlichen Begriff "punctus", womit schwarze Stickerei auf weißem Grund gemeint war. "Buntes" war also ursprünglich nur schwarz-weiß im Gegensatz zu einfarbig. So wurde gestreifter oder gefleckter Pelz "Buntwerk" genannt, also zum Beispiel das nur von Fürsten getragene Futter aus Hermelinfellen. Man sagte "kunterbunt", wenn man mehrere Farben gleichzeitig meinte, und erst im 14. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung des Wortes "bunt" zu "vielfarbig".Im Jahr 1337 sprach sich die Kölner Synode gegen gescheckte, übertrieben bunte Kleidung aus.Wenn man es also zu bunt trieb, verhielt man sich nicht standesgemäß.


06/21 Den Hof machen

Den Hof Ludwigs XIV. bestimmte die Sitten der höfischen Gesellschaften überall in Europa.

Hier entstand der Ausdruck "faire la cour"

 

Dabei ist unter Hof die gesamte Umgebung eines Fürsten zu verstehen, nicht nur sein Hofstaat, nicht nur die berüchtigten Hofschranzen mit ihren Puderperücken und Kratzfüssen. Alle in seinem direkten  Umfeld Dienenden machten seinen Hof aus, und es konnte in der Zeit des Absolutismus lebenswichtig sein, in jeder Hinsicht höflich zu sein. Die Redewendung nahm ihre Entwicklung von der devoten Artigkeit der Höflinge gegenüber  ihrem Fürsten hin zur höflichen Werbung des Galans um die Gunst seiner Dame.

Heute ist Sie fast ausschliesslich in diese Sinne gebräuchlich, sofern Höflichkeit in Zeiten des lockeren Umgangs zwischen den Geschlechtern überhaupt noch eine Rolle spielt. Auf der politischen Ebene glaubt man zwar hin und wieder einen Hoofstaat wahrzunehmen, aber die königlichen Zeiten sind wohl vorbei.


05/21 Auf den Hund gekommen

Die Herkunft der Redewendung ist nicht belegt. Eine Deutung besagt, dass es mittelalterliche Sitte war, den Boden von (Schatz-)Truhen mit dem Bild eines Hundes zu versehen, der symbolisch das Geld vor Dieben schützen und gleichzeitig den Schatzmeister zur Sparsamkeit bewegen sollte. Wenn man also den Hund sah, bedeutete dies, dass kein Geld mehr da war – man war buchstäblich auf den Hund gekommen.

 

Eine andere Erklärung gibt an, dass verarmte Bauern Hunde als Zugtiere gebrauchten. Wenn sie sich also keinen Pferdewagen und auch kein Eselskarren mehr leisten konnten, waren sie finanziell ganz am Ende.

 

Früher war in Bergwerken das Wegschaffen von Erd- und Gesteinsmassen die niedrigste Arbeit. Die Bergleute, die den “Hund” fuhren (der Karren zum Transportieren), bekamen als unterste Klasse den geringsten Lohn. Wenn ein höher verdienender Bergmann sich eines Vergehens schuldig machte, musste er den ‘Hund fahren’ – er war auf den Hund gekommen.


04/21 Als Prügelknabe herhalten

Es wäre ein interessantes psychologisches Experiment, wie heute Kinder reagieren würden, wenn anderen an ihrer Stelle Schmerzen zugefügt würde.

Abwegiger Gedanke? Keineswegs...

 

Als König Konrad IV. von Hohenstaufen (1228-1254) noch ein Junge war, soll einer seiner Kameraden für die Verfehlungen Konrads bestraft worden sein. In Frankreich bekam ein junger Husar für Delikte des jungen Ludwig XV. die Hiebe. Auch in England des 17. Jahrhunderts durfte an Adeligen die Prügelstrafe nicht vollzogen werden. Stattdessen musste ein Gleich-altriger vor den Augen des Missetäters die Schläge über sich ergehen lassen. Man nannte ihn "whipping-boy" - Peitschenjunge. 1643 wurde ein gewisser William Murray, Prügelknabe für König Charles I., von diesem sogar zum Earl erhoben, wohl als Wiedergutmachung.

Über Konrad den Hohenstaufen wird übrigens gesagt, dass er sich fürderhin grosse Mühe gegeben habe, nicht straffällig zu werden, weil er es nicht Habe ertragen können, dass ein Unschuldiger an seiner Statt geschlagen wurde.

Wie heute Halbwüchsige wohl reagieren würden?


03/21 Lunte riechen

Diese Redensart kann erst entstanden sein, als Feuerwaffen im Einsatz waren. Vorderladerkanonen wurden gezündet indem man eine glimmende Lunte von aussen an das mit Schwarzpulver gefüllte Zündloch heranführte.Diese Lunte bestand aus Hanfschnüren, die mit Salpeter und Bleizucker getränkt waren. Man kann sich vorstellen, dass das Glimmen solcher <lunten nicht ohne beissende Qualmentwicklung vor sich ging. Die Redewendung nimmt darauf Bezug, denn der Gestank verriet den Feinden einen bevorstehenden Beschuss oder den Standort eines verborgenen Geschützes, dessen Mannschaft die Lunte glimmen liess. Bei der Luntenzündung verzichte manchmal nur das Schwarzpulver im Zündloch, während der eigentliche Schuss nicht losging und die Kugel im Lauf blieb. Man hatte es also "abblitzen" lassen!

Im Krieg ein Missgeschick, das das Leben kosten konnte, heute als Begriff bei gescheiterten Annäherungsversuchen in Verwendung.


02/21 Hinter die Ohren schreiben

Hinter die Ohren schreiben ist eine Redewendung.

Schreib dir das hinter die Ohren bedeutet, derjenige solle sich etwas gut merken. Man kann es auch mit „Auf die Brust schreiben“ erklären.

Die Redewendung geht auf einen alten Rechtsbrauch zurück: Im Mittelalter hatte man bei wichtigen Regelungen wie beispielsweise der Festlegung von Grenzen die Kinder der Verhandlungspartner dazu geholt, damit sie notfalls noch in der nächsten Generation als lebende Zeugen aussagen konnten. Damit sie die Lage der Grenzpunkte auch nicht vergaßen, gab man ihnen an jedem Punkt ein paar Ohrfeigen. Man „schrieb“ ihnen also die Position der Grenzpunkte hinter die Ohren.

Dieser Brauch ist bereits bei den ripuarischen Franken belegt[1] und soll noch im Bayern des 18. Jahrhunderts ausgeübt worden sein. Noch im 19. Jahrhundert nahm man in Schwaben bei der jährlichen Feldbegehung Knaben mit, denen man an wichtigen Grenzpunkten Ohrfeigen verabreichte, damit sie sich möglichst lange an die Grenzen des Dorfes erinnern können.

Das Verabreichen von mnemotechnischen Ohrfeigen war im Mittelalter durchaus verbreitet. So wurden auch die angehenden Ritter im Rahmen der Zeremonie des Ritterschlags geohrfeigt, damit sie sich an die Zeremonie und ihre dort abgelegten Gelübde gut erinnern können.

Die Aufforderung, man solle sich etwas hinter die Ohren schreiben, wird heute meistens im Zusammenhang mit einer Rüge oder Standpauke verwendet.


01/21 Die Flinte ins Korn werfen

Wie so viele andere Redewendungen war auch die Flinte ins Korn werfen dereinst wörtlich zu verstehen. 

In den an Kriegen reichen Jahrhunderten siebzehn und achtzehn bestanden die Heere weitgehend aus Söldnern. Viele ließen sich von geschickten Werbern blenden, von der Aussicht auf fette Beute. Andere waren zum Kriegsdienst gezwungen worden, ob nun von der Not oder von denjenigen, die Soldaten brauchten.

Die Kampfmoral solcher Truppen war bisweilen fragwürdig. Solche Kämpfer wollten Sold kassieren, Beute machen, vielleicht auch das ungebundene, ausschweifende Soldatenleben genießen. Ihr Leben verlieren wollten sie nicht, sehr wahrscheinlich noch weniger als jemand, der Haus und Hof verteidigte oder für eine als gerecht empfundene Sache kämpfte.

Verlief eine Schlacht ungünstig und eine Niederlage zeichnete sich ab, ergfiffen die Söldner lieber die Flucht, statt verbissen bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Dabei warfen sie ihre Flinten, die bei einer Flucht nur hinderlich waren, tatsächlich in die allgegenwärtigen Kornfelder.

Aufschluss über die Entstehungszeit der Redewendung gibt u.a. der Begriff Flinte. Flinte kommt von Flintstein (Feuerstein) und meint einen besonderen Auslösemechanismus für Gewehre, der sich erst im 17. Jahrhundert durchsetzte. Der Flintstein schlug auf ein Metallstück auf. Die dabei entstehenden Funken entzündeten das Pulver. Das Auslösen durch Funkenflug war wirksamer und einfacher im Gebrauch als die bis dato üblichen Lunten


12/20 Im Stich lassen

In einer Schlacht war der Ritter nicht allein. Er wurde begleitet von Kriegsknechten und vor allem von seinem Knappen, der ihn zu unterstützen und in jeder Beziehung für ihn zu sorgen hatte. Er hielt sich im Gefecht hinter seinem Herrn, um ihm Hilfe zu leisten, wenn dieser verwundet wurde, und hielt ein Ersatzpferd und eine zweite Lanze in Bereitschaft, wenn seinem Herrn die Erstausstattung abhanden kam. Wenn dieser Helfer, auf den sich die Ritter unbedingt verlassen können musste, unfähig war oder gar feige seinen Herrn im Kampf verlies, überliess er diesen dem mit der Lanze zustechenden Gegner,

er liess ihn im Stich.

Kein Wunder, dass diese "Stich"-Wort auch in vielen weiteren Redewendungen eine Rolle spielt. Wenn Argumente stichhaltig sind, halten sie der Diskussion stand, ähnlich wie ein Harnisch dem Stich einer Waffe. Das Verb jemanden ausstechen hat seinen Ursprung ebenfalls im Zweikampf, in dem einer den anderen aus dem Sattel stach, also besiegte. Und bei gleichwertigen Gegnern muss die letzte Entscheidung auch heute noch in einem Stechen gefunden werden.


11/20 etwas im Schilde führen

Wappen waren so was, wie Nummernschilder des Mittelalters. Genau wie heute die Insassen in den Blechrössern, konnte man früher die Ritter nicht erkennen in Ihren Rüstungen. Die Kampfspiele im 12. Jahrhundert waren deshalb für die Zuschauer unübersichtlich, denn sie konnten die Ritter nicht erkennen.Also markierte man die Käufer durch farbige Symbole auf den Schutzschildern und Helmen. Wenn ein gewappneter Ritter auf eine Burg Zutritt, führte er meist nichts Gutes im Schilde, sonst wäre er mit offenem Visier gekommen. Deshalb hat diese Redensart einen negativen Sinn, sprich heisst sinnbildlich, "schlechte Absichten haben".

Eine andere Deutung weist auch auf eine Waffe hin, die jemand leicht hinter dem Schild verbergen konnte – also etwas im Schilde führte.


10/20 Etwas aus dem Hut ziehen...

Die Vermutung liegt nahe, dass die Redewendung aus der Welt des Varietés oder dem Zirkus herführt. Weisse Kaninchen wurde ja nur dafür geboren, von einem Zauberer aus dem Hut gezogen zu werden.

Aber die Wurzel dieser Redensart könnte sehr viel tiefer in die Geschichte reichen. Sie soll nämlich zurückgehen auf die Gewohnheit von Bogenschützen, unter ihrem Helm (eiserner Hut) oder Kappe, Ersatzsehnen mitgeführt zu haben. Diese konnten im Falle, dass die Sehne ihres Bogens riss, aus dem Hut gezogen und gespannt werden. So konnte der Kampf ohne grosse Verzögerung weitergehen.

Weil das Ersatzteillager nicht sichtbar gewesen war, kam die Reparatur für den Feind überraschend, weshalb die Redewendung bis heute diesen Charakter hat.


09/20 Das "Victory" - Zeichen

Diese International weit verbreitete Handbewegung geht nur scheinbar auf den Anfangsbuchstaben des Wortes Victory zurück. In Wirklichkeit hatsie eine viel brutalere Geschichte.

Der Langbogen war eine gefährliche Waffe des Mittel-alters. Neben der Durchschlagskraft der Pfeile war die Schussfrequenz von sechs Pfeilen pro Minute entscheidend. Die Armbrust war in Treffgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagskraft überlegen, jedes Spannen und Laden dauerte aber eine Minute. Daher war sie zwar für Belagerungen gut geeignet für Schlachten blieb aber der Bogen die wirkungsvollere Waffe.

Die Schlacht von Anzincourt 1415 wurde durch - zahlenmässig weit unterlegene - englische "Bowmen" gegen französische Armbrustschützen gewonnen, und in der Siegesparade sollen die Bogenschützen als Hinweis auf den Grund Ihres Sieges die gespreizten "Schützenfingenr", nämlich Zeige und Mittelfinger, dem jubelnden Volk gezeigt haben. Die grausame Pointe ist, dass Bogenschützen, die in Gefangenschaft gerieten, diese beiden Finger abgeschnitten wurden, damit sie nie wieder schiessen konnten.


08/20 "Hand und Fuss haben"

Diese Redensart geht auf eine altdeutsche Rechtsformel zurück, in der allerdings nur die rechte Hand und der linke Fuss gemeint waren. Warum?

Ein Ritter, also ein wehrhafter Mann, war nach damaligem Verständnis nur kriegstüchtig, wenn er noch die rechte Hand und den linken Fuss besass. Mit der rechten Hand führte er das Schwert und der Fuss, mit dem er in den Steigbügel trat, um sein Pferd zu besteigen, war der linke.

 

Es war eine äusserst schwere, aber oft verhängte Strafe, wenn ein Missetäter dazu verurteilt wurde, eines der beiden oder gar beides abgeschlagen zu bekommen, denn es wurden ihm auf diese Weise nicht nur Hand und Fuss, sondern auch seine Mannhaftigkeit genommen.

Linkshänder taten übrigens gut daran, diese "Andersartigkeit" zu verschweigen, denn Minderheiten waren gerade im Mittelalter suspekt und konnten l3eicht auf dem Scheiterhaufen laden.


07/20 "In die Bresche springen"

Wie erobert man eine Burg?

Man macht ein Loch in die Mauer. Einfacher gesagt als getan, aber das Ergebnis einer solchen Gewaltanwendung nennt man "Bresche", wie so viele Wörter der Militärsprache aus dem Französischen (brèche = Öffnung, Spalt)

Aus der Sicht der Verteidiger ist nun höchste Gefahr angesagt, denn die unliebsamen Besucher neigen dazu, hereinzudrängen und in der Burg Feuer zu legen, und zwar überall. Die Burgbesatzung die ein Versicherungsfall ohne Versicherung vermeiden will, muss sofort handeln. Bevor man daran geht, die Öffnung wieder mit Baumaterial zu schliessen, muss jemand die unerwünschten Gäste aufhalten, bevor sie die Burg betreten und Schäden anrichten. Wenn die Öffnung zu Beginn noch relativ schmal war, ist das Mittel der Erstzen Wahl, dass ein Ritter in die Bresche springt, der den Engpass wie ein wehrhafter eisernen Korken, unpassierbar bar macht.


06/20 "Holzauge sei wachsam"

Für die Herkunft dieses Ausdrucks gibt es mehrer Theorien. Die plausibelste jedoch ist wohl die Herleitung aus dem holzverarbeitendem Handwerk. Beim Hobeln muss man aufpassen; Ansätze von Ästen, auch äugen genannt, sind härter als das umgebende Holz, die Klinge des Hobels könnte an ihnen Schaden nehmen. Aus dem Warnruf "Ein Holzauge! Sei wachsam!" kann sich mit der Zeit die heutige Redewendung entwickelt haben.


05/20 "Steinreich sein"

Nicht nur im Mittelalter, sondern weit bis ins 19. Jahrhundert war es ganz normal, dass die Häuser der einfachen Leute aus Holz gebaut waren. Fachwerkhäuser eben, wobei "Fach" ein alter Ausdruck für Wand ist, enthalten auch in "Unter Dach und Fach". Nur Reiche konnten sich Steine aus Steinbrüchen leisten, die behauen werden mussten und deshalb auch teuer waren. Reich war im Mittelalter der Adel, dem das Land gehörte. Er bevorzugte es, in Steinhäusern zu residieren, denn nur Häuser mit steinernen Wänden waren so stabil, dass Sie auch einem Überfall von Feinden, zornigen Leibeigenen oder missgünstigen Nachbarn oder Verwandten standhalten konnten. Aus diesen festen Häusern, oft auch in Turmform erbaut, entwickelten sich die Burgen. Als auch die Bürger in späten Mittelalter zu Wohlstand kamen, konnten sie sich ebenfalls prächtige Steinhäuser leisten. Sie waren STEINREICH. Burgen und Schlösser als Statussymbol blieben jedoch dem Adel vorbehalten.


04/20 "Die Tafel aufheben"

Die Räumlichkeiten in einer mittelalterlichen Burg waren eher spartanisch eingerichtet - auch der "Rittersaal". Bei Mahlzeiten nahmen der Hausherr und seine Gäste auf einfachen Bänken Platz, die Speisen standen auf großen Holzbrettern, die auf Holzböcken lagen. Diese Tafeln wurden nach dem Mahl mit allem, was darauf stand, aufgehoben und aus dem Saal getragen. So schuf man schnell wieder Platz für andere Aktivitäten im Saal.

 

Heute werden keine Tischplatten mehr rausgetragen, doch die Redewendung hat sich bis heute gehalten und signalisiert das Ende einer gemeinsamen Mahlzeit.